IHK Heilbronn-Franken

Gründer- und Firmenportrait

Knopf am rechten Fleck

Egal ob rund, eckig, groß, klein, bunt oder naturbelassen: Knopf Budke hat sie alle – Perlmutter-, Metall-, Stein- und Kokosnussknöpfe, Knöpfe aus Leder, Holz, Büffelhorn, Edelbein und Glas.

VON MATHIAS BURKHARDT

Franz Budke ist Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der Knopf Budke GmbH und Co. KG mit Sitz in Eppingen. Aufgewachsen in einem kleinen Ort nahe Osnabrück, packte er Mitte der 1980er Jahre Koffer und Knöpfe in seinen VW-Bus und steuerte diesen zielstrebig nach Eppingen.

Schneider oder Abitur?
Als Ältester von fünf Geschwistern hatte Franz Budke eine andere Idee vom Leben als es die Eltern für ihn vorsahen. „Ich wollte raus aus meinem Heimatdorf, wo jeder jeden kannte und mein Leben einen vorbestimmten Lauf zu nehmen drohte”, erinnert sich der 65-Jährige. Vater Heinrich, von Beruf selbstständiger Schneidermeister, habe ihm mehr als nur einmal deutlich zu verstehen gegeben: „Du wirst Schneider, Du brauchst kein Abitur.” Nachdenklich blickt sich der Geschäftsführer im kleinen Büro seines Eppinger Wohnhauses um und erinnert sich an intensive Diskussionen mit den Eltern. Budke Junior konnte sich durchsetzen, holte an der Abendschule Mittlere Reife und Abitur nach, ging nach Berlin studieren und wurde diplomierter Handelslehrer. Seine Vergangenheit holte ihn aber schneller ein als gedacht. Franz Budke: „Das ‚Selbstständigenblut‘ meines Vaters war mir dann doch näher als ein Beamtenherz.” Heute, Jahrzehnte später und um viele Knöpfe „reicher”, ist der Sohn dem Vater „jedenfalls nicht mehr böse, er lag ja gar nicht so falsch”. Nach Eppingen verschlug es ihn der Liebe wegen. Seine Frau kommt aus der Fachwerkstadt im Kraichgau, wo sich Franz Budke längst heimisch fühlt: „Ich schätze die Lebensqualität und den Erfindergeist der Region sehr.”

Faible entdeckt
Budke geht mit etwas Verspätung einen ähnlichen Weg wie der Vater und macht sich selbstständig. „Und das auch noch mit einer Schneiderwerkstatt”, wie er grinsend erzählt. Doch rasch kapitulierte er vor seinen eigenen Ansprüchen. „Meine Fähigkeit, räumlich zu denken und Muster in modische Schnitte umzusetzen, ist begrenzt”, erklärt Budke mit einem milden Lächeln das schnelle Aus seiner Berliner Schneiderei. Er wagte mit einem Einzelhandelsgeschäft für Kurz- und Meterwaren in Bremen den erneuten Schritt in die Selbstständigkeit und entdeckte sein besonderes Faible für Knöpfe. Und dieses hat ihn bis heute nicht mehr losgelassen. Kurz nach der Gründung von Knopf Budke in Eppingen schlägt Budke mit seiner ersten eigenen Knopfkollektion unterm Arm auf der damaligen Leitmesse für Stoffe und Knöpfe, Interstoff, in Frankfurt am Main auf. Dort bekam er „drei wunderbar handwerklich aus Horn und Bein gearbeitete Knöpfe in die Hand”, die ihn faszinierten. Für Budke war klar: „Damit will ich arbeiten.” Wenige Monate später landete Budke mit seiner Frau an der Hand und einem Plan im Gepäck auf dem Flughafen der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Ziel: Genau die Manufaktur zu finden, die diese Knöpfe fertigte. Ein Weggefährte aus Berliner Zeiten hatte ihm den Tipp mit Nepal gegeben. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Budke macht sich bei mehreren Besuchen mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut und geht über Jahre hinweg eine enge Kooperation mit einer nepalesischen Knopfmanufaktur ein. Wie sich herausstellte, eine gute Entscheidung: Zum einen für Knopf Budke, zum anderen für die Arbeiter vor Ort. Während in Eppingen Knopfvielfalt und Qualität der Waren stetig zunehmen, entstehen in der nepalesischen Knopfwerkstatt deutlich höhere soziale Standards. „Bis dato mussten die Arbeiter für deutlich niedrigere Löhne schuften”, erläutert der Unternehmer.

Faire Partnerschaft
Mit über vier Millionen Knöpfen und 3.600 verschiedenen Knopfsorten, welche, Knopfschachtel an Knopfschachtel, in übermannshohen Regalen einer Halle mitten in Eppingen lagern, kann Budke heute nahezu jeden Kundenwusch erfüllen. Zunehmend seltener wird dabei das Geschäft mit Einzelhändlern. „Leider”, wie Franz Budke betont: „Landhausund Trachtenhersteller, avantgardistische Konfektionäre sowie nahezu alle großen ökologischen Produzenten sind meine wichtigsten Kunden.” Er sei beispielsweise einer der ersten Knopfgroßhändler gewesen, welcher auf dem österreichischen Trachtenmarkt Fuß gefasst habe. Doch egal welcher Couleur der Kunde auch sein mag, Franz Budke setzt auf Glaubwürdigkeit und Authentizität. Jeder Kunde müsse spüren, „das ist Budke”, beschreibt er sein Streben nach (Knopf-) Perfektion. „Schnelle und individuelle Umsetzung von Kundenwünschen so wie die Garantie, dass ich Wert auf handwerklich gearbeitete Knöpfe lege”, beschreibt Budke wichtige Eckpfeiler seiner Unternehmensphilosophie. Zudem ist der gebürtige Norddeutsche mit einer gehörigen Portion „ökologischem Ehrgeiz” ausgestattet. Die mit dem „Global Organic Textile Standard” (GOTS) zertifizierten naturfarbigen Knöpfe, beispielsweise aus Perlmutter, Büffelhorn, Büffelbein, Steinnuss, Holz und Kokosnuss beweisen, wie ernsthaft Budke es meint, wenn er sagt: „Ich stehe für eine faire Partnerschaft mit den Arbeitern vor Ort und setze mich nachhaltig für ökologische Produkte ein.”

Nachfolge regeln
Auch wenn er nie einen ausgefeilten Geschäftsplan besaß und keine Marktanalysen erstellen ließ, konnte sich Franz Budke auf eines nahezu immer verlassen: sein Gespür. Dies habe ihn trotz einiger Rückschläge bisher „immer ruhig schlafen lassen”. Nur einmal lag er fast daneben. „Vor zehn Jahren wollte ich eine große Lagerhalle bauen und habe zum Glück auf einen externen Rat gehört, welcher mir davon abriet.” So sitzt Franz Budke heute noch in seinem kleinen Büro im Wohnhaus und feilt immer wieder aufs Neue an Knopfkollektionen. „Auch wenn das Büro bisweilen ein wenig eng wird”, wie er erklärt. Mit dem Verzicht auf die Halle habe ich eine Menge Geld gespart.” Die nächste Entscheidung von großer Tragweite steht der Firma Knopf Budke bevor. Der Chef möchte 2014 in Rente gehen und hat noch keinen Nachfolger gefunden. Franz Budke ist es ein Anliegen, die Firma in Eppingen zu halten, denn: „Die Arbeitsplätze meiner 17 Mitarbeiter liegen mir am Herzen.” Viel Herzblut müsste auch ein Nachfolger mitbringen, wenn er das Unternehmen im Sinne seines Gründers weiterführen möchte. „Kreativ zu sein und die Ideen umzusetzen, das ist es, was mich erfüllt”, schwärmt Budke von seinem Beruf. Bei Franz Budke sitzt der Knopf jedenfalls am rechten Fleck.